Karin Rohner


  Schweden-Urlaub
September/Oktober 2016

Geschichten, Bilder, Ansichten
aus Dalarna

Neu!  Mora im Herbst 2016

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Karin von Schweden


Busfahren ist immer ein Abenteuer

Einen Tag vor der Abreise hatte ich es mir in den Kopf gesetzt, das Anders Zorn Museum in Mora zu besuchen. Weil mein Sohn mehr für die Natur als für die Kunst übrig hat, setzte er mich auf dem Weg zu Freunden an der Kirche von Mora ab. Von hier wollte ich am Nachmittag per Bus zurück nach Blyberg fahren. Ich muss dazu bemerken, dass keiner unserer Deutschen Freunde je den Versuch wagte, in Schweden einen Bus zu benutzen. Denn, wie heißt es im Reiseführer: Um in Schweden mit einem Bus zu fahren, braucht man viel Zeit und Geduld.

Mora-Kirche

Die Kirche in Mora


Als erstes holte ich mir im Tourist-Center einen Stadtplan von Mora und ließ mir den kurzen Weg zum Anders-Zorn-Museum erklären. Außerdem erfuhr ich, dass ich um 14.48 Uhr per Bus nach Blybergvilan zurück fahren könne.

Das Zorn-Museum schien im ersten Moment eine Enttäuschung zu sein. Die meisten Etagen waren geschlossen. Dort liefen die Vorbereitungen für eine neue Zorn-Ausstellung im nächsten Jahr. Nur die erste Etage konnte ich besuchen, für den halben Preis. Schon mal ein Lichtblick!

Anders Zorn gehörte nicht zu meinen Lieblingsmalern. Die meisten Bilder, die ich aus dem internet kannte - sein Selbstbildnis, kräftige Frauenakte und detaillierte Schwedische Landschaften - waren mir zu realistisch und überladen. Doch hier lernte ich einen ganz anderen Maler kennen. Natürlich hing am Eingang das mir bekannte pompöse Selbstbildnis. Noch riesiger als gedacht. Dann folgten einige düstere Gemälde. Doch kurz vor dem Ende des Rundgangs kam endlich das wunderschöne Licht, das besonders im Herbst über Skandinavien leuchtet, in seinen Bildern zur Geltung. „Blick von Garberg auf den Siljan“ z.B. Ein, zwei Kiefern, in der Ferne der See, mehr angedeutet, als gemalt, und über allem der lichtdurchflutete Himmel. Es folgten noch ein paar Bilder in ähnlicher Lichterfülle, und zum Schluss seine wunderbaren Zeichnungen und Skizzen. Sein Skizzenbuch, in Leder gebunden, ein winziger Bleistift, mit einer Lederlasche am Buch festgehalten. Dieses Utensil berührte mich am meisten.

Dieser sehr kurze Besuch im Zorn-Museum bewirkte, dass ich mir fest vorgenommen habe, die vollständige Ausstellung im nächsten Jahr zu besuchen. Vielleicht werde ich ja noch ein echter Anders-Zorn-Fan.

Als nächstes suchte ich nach einem gemütlichen Platz für eine Tasse Tee und landete in Wayne's Coffee, um eine mir bis dato unbekannte Sorte Schwarz-Tee und die unvermeidliche Canelbulle zu genießen.

Wayne's-Coffee

Wayne's Coffee - meine 1. Adresse in Mora


Eine Stunde vor der Abfahrtzeit des Busses machte ich mich auf die Suche nach der Haltestelle des Busses 104 Richtung Älvdalen. Ich klapperte alle Wartehäuschen rund um die Kirche ab. Doch den Bus 104 fand ich nicht.

Also ging ich wieder in das Tourist-Center, um zu fragen, wo die Linie 104 hielte. Doch niemand wusste Bescheid. Hier benutzte anscheinend auch niemand den Bus! Die nette Dame rief bei den Verkehrsbetrieben an und diskutierte 20 Minuten – doch mehr erfuhr auch sie nicht. Inzwischen drängte die Zeit. Man versuchte nun, die besorgte Info-Dame mit dem Busfahrer der Linie 104 zu verbinden. Die Diskussion ging endlos weiter. Bei der Kirche, hieß es immer wieder. Sie zeigte mir den vermeintlichen Ort auf dem Stadtplan. Wenige Minuten vor der Abfahrtszeit ging ich erneut auf die Suche. Dabei erblickte ich eine Menschenansammlung hinter der Kirche. Sollte das etwa der  Bus-Stopp sein. Und richtig! Dort stand kein Wartehäuschen, sondern ein portables Halte-Schild auf einem Betonklotz, und oben dran stand auch die Nummer 104.

Der Bus kam pünktlich. Und schon saß ich zum ersten Mal in einem Schwedischen Bus, zwischen Dutzenden von Schülern, die nach Hause fuhren. Als mein Halteort Blybergvilan auf der Anzeigetafel aufleuchtete, drückte ich den Halt-Button. Und das war zu früh. Bei uns in Lübeck muss man den Button immer möglichst früh drücken, damit der Fahrer sich darauf einrichten kann. Doch die Busfahrerin hielt sofort an, weil sie meinte, ich wolle gleich hier aussteigen! Mitten auf der Strecke, 10 Kilometer vor der offiziellen Haltestelle! Ich erklärte ihr, dass ich erst am richtigen Haltepunkt aussteigen wolle. Das klappte zum Glück.

An der Haltestelle ließ die Fahrerin mich aussteigen und ich ging die 500 Meter bis zur Kreuzung, an der die steile Straße nach Blyberg beginnt, die ich bisher nur per Auto kennengelernt hatte. Gut gelaunt machte ich mich auf den 3 Kilometer langen Weg nach oben. Dabei beglückwünschte ich mich zu meinen neuen Wanderschuhen. Zwei Minuten später wurde ich aus meinen Gedanken gerissen, als ein Geländewagen neben mir hielt. Der Mann hinter dem Steuer, seiner Kleidung nach ein Landwirt, guckte fragend zu mir rüber. Ich machte Zeichen, ob ich einsteigen dürfe und er nickte. So ganz wohl fühlte ich mich dabei nicht. Ich fahre sonst nicht per Anhalter. Doch dann dachte ich mir, auf dieser steilen, verlassenen Straße, die in ein noch verlasseneres Dorf führt, wird sich kaum ein Frauenmörder herum treiben.
Ich versuchte, mich mit ihm auf Englisch zu verständigen. Doch die Sprache verstand er nicht.

„Fritidshus“ sagte ich und holte meinen in weiser Voraussicht eingesteckten „Ausweis“ hervor, die Bestätigung meiner Ferienhausbuchung bei Novasol, samt Foto meines gebuchten Domizils.

Unterkunft

Unser Ferienhaus in Blyberg


Er guckte sich das Foto unterwegs ein paar mal an und fuhr mich direkt bis vor die Haustür. Dort erfuhr ich, dass er etwas weiter oben, hinter der Bergkuppe, wohnte.

der-weg

Die "Straße", in der wir wohnten

Das war mein vorletzter Tag in Blyberg und Mora/Dalarna. Ein Tag voller Überraschungen mit einem versöhnlichen Ende. Mein Sohn scherzte nur: „Dich kann man nicht allein lassen. Steigst bei fremden Männern in den Wagen!“

Doch ich glaube, ein bisschen stolz ist er schon. Nun kann er seinen Freunden erzählen: "Meine Mutter ist die erste Deutsche, die einen Schwedischen Bus benutzte!"

Und warum soll sie nicht auch mal per Anhalter fahren?  

 

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Anders Zorn - The complete works

Anders Zorn Museum Mora/Dalarna


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Karin Rohner
1. August 2016


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